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Kaiserstuhl // Elsass.

Wenn einen das Fernweh in die Ferne weht, man das Radio im Auto lauter dreht und die Handflächen in den Wind hinaushält, dann liegt Urlaubsstimmung in der Luft. Süß, intensiv und nach Flieder duftet es dann. In diesen Momenten schalten bei mir alle Sinne auf Entspannung, auf  Arbeitsignoranz, auf Abenteuerlust, auf Entdeckersehnsucht, auf manuellen Fokus und definitiv auf analog.

Das Handy wird ausgeschaltet, stattdessen das Adressbuch hervorgekramt, die Schönschrift für Urlaubs-Postkarten geübt und diesmal auch die digitale Spiegelreflex-Fotofreundin zuhause gelassen. Tatsächlich habe ich es übers Herz gebracht, meine Canon 5D für unsere Reise an die französische Grenze gegen fünf Kodak Portra 400-Filme, eine Canon 3000V und Entschleunigung auszutauschen. Ein Blick durch den Sucher, das Motiv anvisiert und der Auslöser gedrückt. Ein leises Summen verrät den Transport des Filmes. Ob das Foto was geworden ist? Ich weiß es nicht. Nicht in diesem Augenblick. Und genau darum ging es mir diesmal.

Den Augenblick einfangen, aber vor allem auch genießen zu können. Ihn eben mit allen Sinnen wahrnehmen und später auch daran erinnern zu können. Zu oft sind wir  wieder auf asiatische Reisegruppen getroffen, die -und ich übertreibe hierbei nicht- sich gegenseitig beim Hinsetzen an einen Tisch fotografiert haben. Die wild und ohne jedes erkennbare Ziel umherknipsen und dabei den eigentlichen Moment, den tatsächlichen Ort und jegliche oft magische Stimmung, die von ihm ausgeht, verpassen und auch nicht mit ihren zahlreichen Fotos einfangen können. Ist es so verkehrt, sich einfach dem Hier und Jetzt zu widmen, einmal tief durchzuatmen, den Blumenduft, das Licht, die Stimmung in sich aufzunehmen und davon ein analoges Bild im Gedächtnis abzuspeichern?

Ich liebe die Fotografie, das perfekte ausbelichtete Bild, ein qualitativ hochwertigen Fotoabzug. Es gibt nichts Schöneres für mich. Und vielleicht habe ich mich oft auch schon so verhalten, aber in letzter Zeit frage ich mich wirklich, welchen Stellenwert das Bild an sich noch hat? Die Mehrheit nimmt gar keine Kamera mehr mit in den Urlaub. Es werden Fotos mit dem Handy geschossen, unwissend in niedrigster Bildqualität, aus dem Sightseeingbus heraus, verwackelt und verschwommen, mit mehr Hintergrund als Motiv, gemacht für die Festplatte, fürs Vergessen, fürs Löschen und nochmal schießen. Hätten all diese Menschen nicht mehr von diesem Moment, wenn sie ihn einfach genießen und mit den Augen wahrnehmen würden und nicht durch ein Display?

Wir haben uns diesmal auf jedenfall dem Moment gewidmet und sind durch Weinhänge gewandert, haben Fachwerkhäuser in Pastellfarben bestaunt, Kinder beim Spielen in den Wasserläufen von Freiburg beobachtet, uns durch alle Flammkuchenvarianten gefuttert, sind vom Schauinsland dem Regen entgegen gelaufen, haben Rehböcken “Guten Tag” gesagt und uns in den fast schon italienisch anmutenden Gassen von Straßburg verlaufen, wir haben eines der schönsten Dörfer Frankreichs besucht, Meringue gegessen und den Bärlauchduft in den Rheinauen eingeatmet, regionale badische Köstlichkeiten und die Weine der ortsansässigen Weingenossenschaft probiert. Kurz um, wir haben gelebt und genossen.

Unsere Freiburg-Tipps:

  • Wenn ihr nicht direkt in Freiburg übernachtet, lasst das Auto am besten an einem P+R- Parkplatz stehen und fahrt entspannt mit der Straßenbahn bis ins Stadtzentrum. (Wir selber haben dafür die Konuskarte genutzt.)
  • Wer frische, regionale Produkte aller Art möchte, sollte unbedingt den Wochenmarkt rund um das Freiburger Münster besuchen. Von Blumen, Obst- und Gemüse bis hin zur berühmten “Langen Roten” findet ihr dort wirklich alles was das Herz begehrt. Fotomotive inklusive.
  • Wer sich für Kirchen und ihre Historie und Bauweise interessiert, sollte sich auch das Münster einmal anschauen.
  • die Markthalle : hier gibt es internationale Köstlichkeiten zum Probieren und schmecken lassen. Wir selber haben afghanische Manti-Taschen und persisches Hühnchen genossen. Wer auf Gin steht, besucht einfach die Monkey Garden Bar am Eingang der Halle.
  • Wecke das Kind in dir: Holzboot oder Papierschiffchen gebastelt und auf eine der vielen Wasserläufe in der Stadt gesetzt.
  • verliert euch in den Gassen und biegt einfach mal rechts, mal links ab, es lohnt sich.

Unsere Riquewihr// Colmar-Tipps:

  • Riquewihr zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs und ist demnach bei Touristengruppen mehr als beliebt. Es lohnt sich also zeitig und vor allem vor den Reisebussen da zu sein.
  • Auch hier gilt: Lauft einmal alle Gassen und Straßen ab und denkt euch die teilweise hässlichen Plastikschilder weg.
  • Wo Touristen sind, kann man auch Geld verdienen. Vor allem mit viel Nippes. Wir selber haben uns von den Storch-Kuscheltieren, Fließband-Macarons und Made in China- Keramik nicht blenden lassen und stattdessen eine handmade Meringue in der Creperie verdrückt.
  • Colmar: Hier sollte man sich das “Petit Venice”-Viertel anschauen und unbedingt den Flammkuchen im “La Krutenau” probieren. Leider hatte es zu unserer Zeit nicht auf, aber das “Au Croissant Doré”  sah von außen richtig toll aus.

Unsere Kaiserstuhl-Tipps:

  • wandert durch die Weinberge von Ort zu Ort und kehrt in die zahlreichen Straußenwirtschaften ein. Dort gibt es rustikales,einfaches und günstiges Essen & Trinken in gemütlicher Atmosphäre, empfehlen können wir Gerhart’s Strauße in Jechtingen und  ” Zum Dielbuck” in Endingen
  • die Weine der ortsansäßigen Winzergenossenschaften und Weingüter probieren. 🙂  ( Der Tipp meines Freundes: Weingut Wiedemann, Weingut Schätzle)
  • von Sasbach bis nach Breisach an den Rheinauen entlang wandern 🙂
  • in  Breisach in der Konditorei “Ihringer” am Markt schlemmen

Unsere Straßburg-Tipps:

  • In Straßburg selber kommt man mit Deutsch nicht mehr weit. Wer dennoch kein Französisch spricht, probiert es mit Englisch und erfreut die Straßburger zumindest mit einem zarten “Salut”, “Au revoir” oder “Merci”.
  • unbedingt in die Pattisserie “Christian” gehen und sich ein paar Köstlichkeiten mitnehmen
  • Wer u.a. auf tolle Papeterie  steht, sollte die kleine Boutique “Celeste” aufsuchen, hier gibt es Notizbücher und Grußkarten von Rifle Paper Co. und Season Paper zu kaufen
  • Skandinavisches Wohndesign und  Masking Tape gibt es im “Mémé en Autriche”
  • Rings um das Münster findet ihr einen tollen Flohmarkt bzw. Büchermarkt mit wirklichen Schätzen
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1 Comment

  • Reply Helen Hammer

    Salut liebste Mia, da haben wir uns ja knapp verpasst 😉 Wir sind nämlich gerade am wunderschönen Kaiserstuhl und lassen es uns gut gehen. Selbstverständlich übertreffen deine Bilder einfach alles – tolle Aufnahmen unf Tipps.

    LG Helen

    2016/05/20 at 16:23
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